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29. Juni 2010

Der Saarbrücker Wald wurde gekalkt

Filed under: Energie,Naturschutz,Verkehr — Dietrich Strohmaier @ 13:24

Jetzt ist es tatsächlich passiert:
Tonnenweise wurde Kalk über weiten Teilen des Stadtwaldes ausgekippt. Aus einem Kübel an einem Hubschrauber wurde der Kalk verteilt. Fußgänger waren gewarnt worden. Wie wurden die anderen Lebewesen gewarnt? Also ich wollte mich nicht mit Kalk bestäuben lassen. Sie etwa? Zur Rettung des Waldes oder nur des Ertrags aus dem Wald? Und das alles, damit die Mehrheit weiter etwa mit immer größeren Autos in der Gegend herum fährt, zum Spaß in die Karibik fliegt, sinnlos konsumiert oder kein Geld für die Wärmedämmung ihrer Häuser und Wohnungen ausgeben muss? Kann das gut gehen? Wer im Sinne des Umweltschutzes nachhaltig wirtschaftet braucht nicht zu solch abartigen Maßnahmen zu greifen.

Waldkalkung

© Foto von PIXELIO

13. Juni 2010

Stellungnahme zur Veranstaltung von Bündnis90/DieGrünen am 26.5.2010 zum Radverkehr in SB

Filed under: Verkehr — Dietrich Strohmaier @ 12:49

Die Stadt Karlsruhe scheint Glück gehabt zu haben, dass sie nach einer schlecht ausgefallenen Umfrage des ADAC sich zu mehr Öffentlickeitsarbeit und mehr Radverkehrs-Infrastruktur aufgerafft hat. Sie hat seitdem (2004) einen Radverkehrsbeauftragten, dieser ist Saarbrücken leider verloren gegangen.

Dies ist nicht überraschend in einer Region mit sehr hoher Kfz- und Autobahn-Dichte und einem weit über dem Durchschnitt liegenden CO2-Ausstoß. Entsprechend am untersten Ende liegt der Anteil des Radfahrens. Es ist zwar lobenswert, dass die Grünen in Übereinstimmung mit dem ADFC die Saarbrücker zu mehr Radnutzung bewegen wollen. Doch deren Argumentation („Radfahren kann Spaß machen“) ist erstaunlich schwach. Die Autofahrer freundlich zu bitten, doch den Radfahrern etwas mehr Raum und Geld zu geben, ist schon seit Jahrzehnten nutzlos. Die reagieren meist aggressiv und wollen von dem großen Stück, das sie sich genommen haben, natürlich nichts abgeben. Die Radfahrer sollen doch sehen wie sie zu ihrem Spaß kommen, die Autos schaffen Arbeitsplätze usw. Angesichts  der sich abzeichnenden weltweiten Klima-Katastrophe ist es lebenswichtig, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Er muss (in Deutschland) schnellstens von 11 auf 2 t/Jahr und Person gesenkt werden, um große Probleme zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund ist die Erhöhung des Radverkehranteils und des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zur Eindämmung des motorisierten Individualverkehr (MIV) ein denkbarer Weg. Gerade die Verkehrsprobleme in der Stadt mit Toten und Verletzten sowie Gesundheitsproblemen durch Lärm und Feinstaub machen sie wenig attraktiv und verlangen neue Lösungen.

Wie die Vergangenheit zeigt kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Autofahrer dies einsehen und freiwillig die Nutzung des Autos wenigstens einschränken. Ganz im Gegenteil versucht die Autofahrer-Lobby etwa durch Abwrackprämie, niedrige Ökosteuer, günstige Parkgebühren, mehr Straßen usw. die Nutzung des Autos noch zu verstärken. Darüber hinaus versucht sie, die Kosten des Ganzen auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Ein Besucher des Hearing pochte geradezu auf sein angebliches Recht auf den Straßenraum..

Der BUND Saarbrücken plädiert dafür, den  Autofahrern klar zu machen, dass ein solches Verhalten höchst verwerflich ist. Die meisten verdrängen diese Erkenntnis weshalb Argumente auf ethischer Grundlage hier helfen könnten. Des weiteren könnte auf den ungeheuren Aufwand für den MIV und die von ihm zu verantwortenden riesigen Schäden hingewiesen werden. Die derzeitigen europaweiten Sparanstrengungen zeigen doch, dass man nicht ungestraft ständig über seine Verhältnisse leben kann. Radfahren ist hier ganz klar im Vorteil.

Es ist schon verwunderlich, dass selbst die Grünen sich so offensichtlich zurückhalten und nicht die ganze Palette der Argumente aufgefahren. haben.

Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 28.5.2010 über die Veranstaltung wie folgt:

„Radfahren kann Spaß machen“
Grünen-Hearing im Rathausfestsaal beschäftigte sich mit der Verbesserung des Radverkehrs in Saarbrücken
Wer in Saarbrücken mit dem Rad unterwegs ist, hat es nicht leicht. Vernünftige Fahrradwege sind Mangelware, so die Klage vieler Radler. Der Radverkehrsanteil liegt bei nur drei Prozent. Genau dieses Thema stand im Mittelpunkt eines Hearings der Saarbrücker Grünen.

Saarbrücken. Beim ersten Hearing des Jahres im Rathausfestsaal sammelten die Grünen am Mittwochabend Ideen für ein radlerfreundlicheres Saarbrücken. Auch Johannes Schell vom Stadtplanungsamt Karlsruhe war dabei. Könnte Karlsruhe als Vorbild dienen? Diese Frage stand im Raum. Die Fakten: Auch die 290 000-Einwohner-Stadt in Baden hatte lange Zeit mit schlechten Bedingungen für den Radverkehr zu kämpfen.

Erst als ein ADAC-Test 2003 diese an die Öffentlichkeit brachte, setzte der Wandel ein. Mithilfe eines 20-Punkte-Plans wurde ein Großteil der Mängel nach und nach beseitigt.

Um Platz für Radwege zu schaffen, wurden unter anderem Auto-Fahrspuren verkleinert. Im Mittelpunkt des Plans stand dabei stets eine Gleichberechtigung für Radfahrer gegenüber dem Autoverkehr. Doch nicht nur neue Radwege und Abstellmöglichkeiten brachten den Erfolg. Maßgeblich beteiligt, so erfuhren die Anwesenden, war auch eine umfangreiche Imagekampagne, die das Bewusstsein der Bürger für den Radverkehr stärkte.

Wäre eine solche Kampagne auch in Saarbrücken erfolgreich? Die Grünen zeigten sich überzeugt davon. „Die Frage ist doch, wie wir aus einer Situation herauskommen, die uns schon über Jahre hinweg so sehr beschäftigt hat. Wir brauchen einen Verkehrs- und Bewusstseinswandel. Bürokratie allein reicht nicht aus, es muss sich auch etwas in den Köpfen der Menschen ändern“, so Kajo Breuer, Umweltdezernent der Stadt Saarbrücken.

Konkrete Großprojekte allein für den Radverkehr gebe es noch nicht viele, erfuhren die Gäste von Vertretern des Stadtplanungsamtes. Mit den neuen Markierungen in der Dudweilerstraße und einem Radweg zur Folsterhöhe schließe man bestehende Lücken. Auch bei Stadtmitte am Fluss stehe kein eigener Etat für den Radverkehr zur Verfügung.
Ist die angepeilte Zehn-Prozent-Marke für den Saarbrücker Radverkehr dennoch bis 2015 erreichbar? Laut Guido Vogel, dem verkehrspolitischen Sprecher der Stadtratsfraktion der Grünen, existiert vor allem ein „Umsetzungsproblem“. Um alle Beteiligten zur Mithilfe zu überzeugen, solle man zudem nicht nur Vernunftsargumente heranziehen, denn: „Radfahren kann auch Spaß machen“, sagt Schell. „Die beste Werbung für den Radverkehr ist und bleibt zudem immer noch ein guter Radweg!“

2. Juni 2010

BUND Saarbrücken zu Stadtmitte am Fluss.

Filed under: Allgemein — Dietrich Strohmaier @ 15:20

Der BUND Saarbrücken hatte sich 2008 gegen das Projekt „Stadtmitte am Fluss“ ausgesprochen. Im Folgenden wollen wir unsere Argumente noch einmal zusammenfassen und aktualisieren. Als Träger öffentlicher Belange hatten wir damals zu den Entwürfen von Flächennutzungsplan und Bebauungsplan folgendes angemerkt:

  1. Es steht weniger Raum für die Zurückhaltung des Hochwassers zur Verfügung.
  2. Künstlicher und auch nur teilweiser Ausgleich durch problematische Ausbaggerung am Rand des Naturschutzgebiets St. Arnualer Wiesen/Osthafen vorgesehen.
  3. Die Baumaßnahmen in der Wasserschutzzone sind gefährlich.
  4. Die Prognosen für den Verkehrslärm sind zu kurzfristig. Der demografische Wandel, die Entwicklung der Kfz-Technik zu weniger Lärm sind nicht berücksichtigt. Außerdem ist das Potential einer Geschwindigkeits-Reduzierung nicht ausreichend untersucht.
  5. In Höhe des Stadens sollte eine Lärmschutzwand gebaut werden.
  6. Andere Straßen werden mehr Verkehr aufnehmen müssen. Auf dem „Boulevard“ (heutige FJR-Straße) steigt das Kfz-Aufkommen von 4800 auf 17000 Kfz/Tag.
  7. An den Tunnelmündern ist mit erhöhten Schadstoff-Konzentrationen zu rechnen.
  8. Dem Projekt fallen 121 Bäume zum Opfer.
  9. Das westlich des neuen Tunnels anfallende Wasser muss in die Saar gepumpt werden, was zumindest ständig zusätzliche Energiekosten verursacht.

Aus heutiger (2010) Sicht muss das Projekt noch deutlich kritischer gesehen werden. Zwar ist anzuerkennen, dass die Stadt diesen kapitalen Fehler einer Stadtautobahn an der Saar entlang korrigieren will. Sie möchte attraktiver werden. Doch mit den Mitteln der Vergangenheit – wie das mit diesem Projekt versucht wird – kann dies nicht gelingen. Der Verkehr wird nur verlagert. Vor und hinter dem geplanten Tunnel ist es weiterhin laut. Die Stadt leidet auch künftig unter dem  Autoverkehr.

Vor allem ist dieses Projekt kein Mittel gegen den Klimawandel, der bereits im Gange ist. Zudem müssen die bereits hoch verschuldeten öffentlichen Hände weitere Schulden machen. (Wohin das hemmungslose Schuldenmachen führen kann sehen wir jetzt am Beispiel Griechenland mit der Krise des Euro).  Ein Projekt, das so viel kostet, müsste zusätzlich den beiden  oben genannten Kriterien genügen.

Für uns  Umweltschützer war das Abholzen der Bäume an der Berliner Promenade ein Zeichen für die Unsinnigkeit des Projekts. Bei vielen Bächen hat man mittlerweile eingesehen, dass es besser ist, sie in den natürlichen Ursprungszustand zu versetzen. In der Vergangenheit hatte man einfach Abwasserkanäle daraus gemacht. Hier wird das Saarufer weiter zubetoniert.

Wir wissen von der Natur nur zu gut, dass derartige Entwicklungen langfristig gesehen werden müssen. Die Legislaturperioden sind hierfür viel zu kurz. Wer nachhaltig unter Berücksichtigung des Umweltschutzes plant und handelt, wird solche Fehler wie diese Stadtautobahn nicht machen.

Es wäre zu wünschen, dass Verwaltungen und Bürger hieraus lernen und die derzeit laufenden Straßenprojekte noch einmal kritisch überprüfen.

Langfristig muss die Stadtentwicklung dahin gehen, den Autoverkehr in der Stadt zurückzudrängen. Bus und Bahn, Radfahren und zu Fuß gehen müssen zusammen mit Grünflächen und Ereigniszentren die Oberhand gewinnen. City-Maut, P&R-Plätze und Shared Space (gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer auf der Straße) sind Mittel dazu, die Stadt attraktiver zu machen. Metz macht Saarbrücken derzeit vor was hier möglich ist.

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