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Archive für 02.6.2010
BUND Saarbrücken zu Stadtmitte am Fluss.
02.6.2010 von Dietrich Strohmaier.
Der BUND Saarbrücken hatte sich 2008 gegen das Projekt „Stadtmitte am Fluss“ ausgesprochen. Im Folgenden wollen wir unsere Argumente noch einmal zusammenfassen und aktualisieren. Als Träger öffentlicher Belange hatten wir damals zu den Entwürfen von Flächennutzungsplan und Bebauungsplan folgendes angemerkt:
- Es steht weniger Raum für die Zurückhaltung des Hochwassers zur Verfügung.
- Künstlicher und auch nur teilweiser Ausgleich durch problematische Ausbaggerung am Rand des Naturschutzgebiets St. Arnualer Wiesen/Osthafen vorgesehen.
- Die Baumaßnahmen in der Wasserschutzzone sind gefährlich.
- Die Prognosen für den Verkehrslärm sind zu kurzfristig. Der demografische Wandel, die Entwicklung der Kfz-Technik zu weniger Lärm sind nicht berücksichtigt. Außerdem ist das Potential einer Geschwindigkeits-Reduzierung nicht ausreichend untersucht.
- In Höhe des Stadens sollte eine Lärmschutzwand gebaut werden.
- Andere Straßen werden mehr Verkehr aufnehmen müssen. Auf dem „Boulevard“ (heutige FJR-Straße) steigt das Kfz-Aufkommen von 4800 auf 17000 Kfz/Tag.
- An den Tunnelmündern ist mit erhöhten Schadstoff-Konzentrationen zu rechnen.
- Dem Projekt fallen 121 Bäume zum Opfer.
- Das westlich des neuen Tunnels anfallende Wasser muss in die Saar gepumpt werden, was zumindest ständig zusätzliche Energiekosten verursacht.
Aus heutiger (2010) Sicht muss das Projekt noch deutlich kritischer gesehen werden. Zwar ist anzuerkennen, dass die Stadt diesen kapitalen Fehler einer Stadtautobahn an der Saar entlang korrigieren will. Sie möchte attraktiver werden. Doch mit den Mitteln der Vergangenheit - wie das mit diesem Projekt versucht wird - kann dies nicht gelingen. Der Verkehr wird nur verlagert. Vor und hinter dem geplanten Tunnel ist es weiterhin laut. Die Stadt leidet auch künftig unter dem Autoverkehr.
Vor allem ist dieses Projekt kein Mittel gegen den Klimawandel, der bereits im Gange ist. Zudem müssen die bereits hoch verschuldeten öffentlichen Hände weitere Schulden machen. (Wohin das hemmungslose Schuldenmachen führen kann sehen wir jetzt am Beispiel Griechenland mit der Krise des Euro). Ein Projekt, das so viel kostet, müsste zusätzlich den beiden oben genannten Kriterien genügen.
Für uns Umweltschützer war das Abholzen der Bäume an der Berliner Promenade ein Zeichen für die Unsinnigkeit des Projekts. Bei vielen Bächen hat man mittlerweile eingesehen, dass es besser ist, sie in den natürlichen Ursprungszustand zu versetzen. In der Vergangenheit hatte man einfach Abwasserkanäle daraus gemacht. Hier wird das Saarufer weiter zubetoniert.
Wir wissen von der Natur nur zu gut, dass derartige Entwicklungen langfristig gesehen werden müssen. Die Legislaturperioden sind hierfür viel zu kurz. Wer nachhaltig unter Berücksichtigung des Umweltschutzes plant und handelt, wird solche Fehler wie diese Stadtautobahn nicht machen.
Es wäre zu wünschen, dass Verwaltungen und Bürger hieraus lernen und die derzeit laufenden Straßenprojekte noch einmal kritisch überprüfen.
Langfristig muss die Stadtentwicklung dahin gehen, den Autoverkehr in der Stadt zurückzudrängen. Bus und Bahn, Radfahren und zu Fuß gehen müssen zusammen mit Grünflächen und Ereigniszentren die Oberhand gewinnen. City-Maut, P&R-Plätze und Shared Space (gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer auf der Straße) sind Mittel dazu, die Stadt attraktiver zu machen. Metz macht Saarbrücken derzeit vor was hier möglich ist.
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