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3. März 2011

Autofahrerperspektive in der Saarbrücker Zeitung

Filed under: Allgemein,Verkehr — Dietrich Strohmaier @ 18:10

Die Saarbrücker Zeitung schrieb am 22.02.2011 folgenden Artikel:

Busse gegen Autos an der Ampel?Stadt testet grüne Welle für den Bus – Das führt zu Staus
Führt eine gezielte Förderung des Busverkehrs durch eine Vorrangschaltung der Ampeln zu unzumutbaren Nachteilen für den Autoverkehr? Diese Frage will die Stadt zurzeit durch einen Test beantworten.
Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen
Saarbrücken.
Eine Viertelstunde für 200 Meter im Auto. „Direkt Weltstadtformat“ habe das, zürnt Wolfgang Kosiolek. Aber das habe auch einen Vorteil: Wer im Auto sitzt und nicht fährt, kommt zum Nachdenken. Und zum Rechnen. Weil Busse an der Landesversicherungsanstalt (LVA) zwischen Egon-Reinert- und Richard-Wagner-Straße zurzeit durch eine besondere Ampelschaltung Vorrang haben und es dadurch zu Staus für Autofahrer kommt, habe sich seine Fahrzeit von der Arbeit nach Hause „glatt verdoppelt“, sagt Kosiolek.In einem Modellversuch wird zurzeit getestet, ob es sinnvoll ist, Bussen auf bestimmten Strecken in der Stadt Vorfahrt einzuräumen. Dazu werden Ampeln für Busse auf grün geschaltet – automatisch, wie die Sprecherin von Saarbahn&Bus, Sarah Schmitt sagt, nicht dadurch, dass ein Busfahrer auf eine Fernbedienung drückt.
Betroffen ist die Strecke, auf der Busse vom Ilseplatz auf dem Rotenbühl durch die Scheidter Straße und die Richard-Wagner-Straße zur Wilhelm-Heinrich-Brücke unterwegs sind, erklärt Stadtpressesprecher Thomas Blug. Noch etwa drei Wochen werde diese Testphase dauern, sagt er. Ziel sei „ganz klar die Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs“. Wobei die Stadt dieses Ziel nicht um jeden Preis verfolge. Genau deswegen werde das Ampelsteuerungssystem ja nun getestet.Das bedeutet für ein paar Wochen: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Staus kommt“, sagt Blug.
„Vielen Dank dafür, denn so konnte ich mir so meine Gedanken machen“, hat Autofahrer Wolfgang Kosiolek in diesen Tagen an die Stadtverwaltung geschrieben.
Zufrieden sei er mit dem Ergebnis dieses Nachdenkens allerdings nicht. Er habe sich zum Beispiel die Zeit genommen, sich das Ganze vom Bürgersteig aus anzusehen und die Länge der Grünphasen zu messen.
„Fazit: Meines Erachtens ist die Grünphase der Martin-Luther-Straße Richtung stadteinwärts immer unnötig zu lang (manchmal passieren sekundenlang gar keine Autos diese Ampel)“, schreibt er. Wenn nun auch noch ein Bus mit Vorrangschaltung komme, sei diese Grünphase noch länger.
„So hatte der auslösende Bus die Haltestelle vor dem Lokal Römerbrünnchen gegenüber der LVA schon wieder verlassen, als die Ampel an der Tankstelle immer noch grün für seine Fahrtrichtung zeigte“, hat Kosiolek beobachtet. Seine Erkenntnis: „Dann verwundert es nicht, dass sich der Querverkehr zurückstaut.“
Er rede hier nicht von kleineren Staus, wie sie immer mal vorkommen, betont Kosiolek. Als er mit seinem Auto vor dem Parkhaus der LVA im Stau stand, habe er „im Rückspiegel das Ende der Schlange schon gar nicht mehr genau orten können“, sagt er. Mindestens bis zum Sachsenweg habe sich der Verkehr gestaut. Kosiolek spricht aus, was andere SZ-Leser, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, auch befürchten: „Die Stadt wird durch diese neue Ampelschaltung noch unattraktiver für Autofahrer.“
Der Sprecher verspricht: Das wolle die Stadt nicht. Man werde bei der Auswertung des Tests auch die Interessen der Autofahrer berücksichtigen.

Unser Kommentar:

Was ist denn das für eine Berichterstattung? Hier kommt lang und breit ein Autofahrer zu Wort, der natürlich keine Einschränkung hinnehmen will. Wo ist ein Busbenutzer? Immerhin kommen 40% der Menschen nicht mit dem Auto in die Stadt. Endlich hat die Stadt sich nach jahrelangem Zögern und Mahnungen von Umweltverbänden sich zu diesem Schritt entschlossen und schon schießt die Sbr. Ztg. dagegen. In Anbetracht des im Gange befindlichen Klimawandels und der Abhängigkeit vom Öl (s. Libyen) sowie der Belastungen in der Stadt durch den übertriebenen Autoverkehr ist dieser Versuch der Stadt zu begrüßen. Ich kann nur hoffen, dass dort langsam eine umweltfreundlichere Einstellung Platz greift.

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