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22. August 2011

Franzenbrunnen, eine peinliche Geschichte

Filed under: Allgemein — Godehard Gr @ 18:28

Der Stadtrat hatte in früheren Jahren ein Projekt des Planungsamtes  abgelehnt, am Franzenbrunnen eine grosses Baugebiet zu schaffen, abgelehnt übrigens auch von den GRÜNEN wegen ökologischer Bedenken. Jetzt auf einmal scheint diese Bebauung aber einhellige Unterstützung des Stadtrats zu finden. Dabei argumentiert man, es bestehe dringender Bedarf für neues Wohnbauland in Saarbrücken. Merkwürdig, denn die Bevölkerungszahlen sind im ganzen Saarland inklusive Stadt Saarbrücken stark rückläufig. Wo soll denn jetzt der Bedarf  herkommen? Wir werden dieser Frage mit allem Nachdruck nachgehen, weil jede Überbauung von bisher nicht oder nur unwesentlich genutzten Landschaftsflächen die unselige Versiegelung von Grund und Boden fortsetzt, mit allen negativen Auswirkungen auf die Vegetation, das (Klein-)Klima, Grundwasser, Wasserabfluss usw. Das gilt umso mehr, als das Gebiet Franzenbrunnen von der eilfertigen Stadtspitze hartnäckig als ökologisch völlig unproblematisch bewertet wird. Der Bürgerinitiative sei daher gedankt, gerade in dieser Hinsicht bedeutende Fakten geliefert zu haben, die der Stadtplanung das Gegenteil nachweisen. Das Projekt kann also wahrlich nicht als „Leuchtturmprojekt“ gewertet werden, zu dem es der grüne Stadtrat Brück bereits hochstilisiert hat (Wochenspiegel vom 13.07.2011).

Godehard Grünewald

7 Comments »

  1. Naherholung am Franzenbrunnen – Quo Vadis? Als bauwillige Familie sind wir vom schlechten Gewissen geplagt durch das sogenannte Naherholungsgebiet am Franzenbrunnen spaziert. Die idyllischen Grünflächen waren, sofern überhaupt auffindbar, hinter hohen Zäunen in Privatbesitz und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Anstatt Vogelgezwitscher erfolgte aus deutschlandbeflaggten Gartenhäusern in Schrebergärten eine musikalische Beschallung des gesamten Gebietes. Leider waren unsere beiden kleinen Kinder nicht Gummistiefelbewaffnet und somit hatten wir Mühe auf dem mit Hundekot übersäten Weg überhaupt vorwärts zu kommen. Annähernde Naherholung gemäß Definition haben wir keine gefunden. Erholt waren wir trotzdem, nämlich von unserem schlechten Gewissen, wenn der Baubeginn naht.

    Kommentar by Miriam Schiffler — 24. August 2011 @ 11:52

  2. sie waren an einem völlig anderen ort, frau schiffler

    Kommentar by bernd schabbach — 26. August 2011 @ 16:12

  3. Danke, dass der BUND sich zur Skandal-Planung am Franzenbrunnen eindeutig kritisch positioniert hat.
    Die Argumente gegen die Bebauung sprechen für sich:
    – demographische Entwicklung (Saarbrücken hatte 1974 über 235.000 Einwohner, jetzt sind es 178.000 – in 18 Jahren sind es 153.000, Quelle: Statistisches Landesamt). Die Hausaufgaben für eine vernünftige Stadtplanung und Politik liegen doch eindeutig darin, innerhalb der vorhandenen Siedlungsstrukturen Chancen für Bauwillige zu schaffen und zu fördern, und nicht die Strickmuster der 60er und 70er zu wiederholen. Dies war bisher übrigens eindeutiger Konsens bei Stadtplanern und Politik. Schade, Politik und Verwaltung Saarbrückens denken hier wohl anders.
    – ein Frischluftentstehungsgebiet darf nicht einfach zugebaut werden!
    – seltenen Tierarten, von denen einige sogar auf der Roten Liste stehen, ist es egal, ob ein Hochhaus oder ein verkappter Öko-Bau ihnen den Lebensraum nimmt …
    – zunehmende Verkehrsproblematik, bereits heute: Staus, Unfälle, Lärm und Gestank an Hoher Wacht, Lerchesflurweg, Feldmannstr., Metzer Str. & Co.
    – Wegweisender ökologischer Landbau der Neuen Arbeit Saar muss verschwinden? Das darf nicht sein!

    Und die vielen hunderte von Bauwilligen?
    Selbst die Stadt gibt zu, dass die Bau-Grundstücke – wenn es soweit käme – mit 250,00 € / m² und mehr veranschlagt würden. Bei 500 m² kommt da mit einem in einfachen bis mittlerem Standard errichteten Wohnhaus samt Nebenkosten und Steuern schnell ein Volumen von 350.000,00 bis 400.000,00 € zusammen.
    Bei angesparten 70.000,00 € und einer 80%-Finanzierung also schlanke 1700 € im Monat…
    Die Bellevue 2.0 – Vorhaben, um die Ecke, rangieren heute schon in dieser Preisregion. Dort sollen doch nach über 3 Jahren Vermarktung die überwältigende Anzahl von 16 Bauwilligen ihren Kaufvertrag für eines der 35 Grundstücke notariell beurkundet haben…
    Alternativen zum Neubaugebiet gibt es genug, auch im oberen Alt-Saarbrücken: zahlreiche Altbauten haben die Besitzer gewechselt, sind bzw. werden renoviert – oft insgesamt preiswerter und sinnvoller als Bauen im Grünzug.
    Ich wünsche dem BUND und den mehr als 1500 Unterstützern der Bürgerinitiative Franzenbrunnen viel Geduld und Erfolg.

    Kommentar by Ulrike Münzel — 28. August 2011 @ 19:02

  4. Ich freue mich sehr, dass mit dem BUND sich nun der größte deutsche Umweltverband für den Erhalt des wertvollen Naherholungsgebietes einsetzt. Die Stadt Saarbrücken zeigt hier kein Interesse mit den Bürgerinnen und Bürgern, die hier leben, zusammen zu arbeiten. So werden selbst dokumentierte Funde der nach FFH geschützten Zauneidechse, seltene Pflanzen, oder das Vorkommen unterschiedlicher Fledermausarten ignoriert. Vielmehr sollen wir der Stadt hier auch noch dankbar sein, dass sie nun „freiwillig“ einen abgeschwächten Umweltbericht durchführen will. Verschwiegen wird, dass Sie eine umfassende rechtlich vorgeschrieben Umweltverträglichkeitsprüfung, mit der Erfassung aller Arten zu umgehen versucht.
    Stadtverwaltung und Politik sollten sich hier Ihrer Verantwortung (auch für folgende Generationen) über den Erhalt von geschützten Arten und der Einhaltung von vorhandenden Umweltrecht bewusst sein, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Zu der Stellungnahme von Frau Schiffler möchte ich hier nur so viel sagen, dass ich es sehr befremdlich finde, wenn jemand in ein Wohngebiet ziehen will, aber im Vorfeld die Umgebung („Müll und Hundekot“), sowie die Menschen, die dort leben derart angeht. Doch biete ich auch Ihnen, Frau Schiffler, gerne an, sich mit mir vor Ort zu treffen. So können Sie sich ein Bild machen von dem Naherholungsgebiet, welches u.a. aus einer Baumschule, einem Gelände, auf dem seit über 20 Jahren rein biologischer Gemüseanbau mit Verkauf direkt vor Ort und Teilstücken des Jakobswegs besteht. In Kontakt mit mir können Sie gerne über unsere Homepage http://www.bi-franzenbrunnen.de treten. Hier finden Sie auch im Vorfeld viele Informationen über das Naherholungsgebiet am Franzenbrunnen.

    Kommentar by Matthias Westermann — 28. August 2011 @ 21:04

  5. Liebe Frau Münzel,

    Sie schreiben:

    >> Selbst die Stadt gibt zu, dass die Bau-Grundstücke – wenn es soweit käme – mit 250,00 € / m² und mehr veranschlagt würden. Bei 500 m² kommt da mit einem in einfachen bis mittlerem Standard errichteten Wohnhaus samt Nebenkosten und Steuern schnell ein Volumen von 350.000,00 bis 400.000,00 € zusammen.
    Bei angesparten 70.000,00 € und einer 80%-Finanzierung also schlanke 1700 € im Monat… > Ich wünsche dem BUND und den mehr als 1500 Unterstützern der Bürgerinitiative Franzenbrunnen viel Geduld und Erfolg.

    Kommentar by Hans Meier — 30. August 2011 @ 00:46

  6. Dem Saarbrücker Ortsverband des BUND ist es zu danken, dem Naturschutzanliegen am Franzenbrunnen öffentliche Aufmerksamkeit zu widmen.
    Es tut gut, im Widerstand gegen die städteplanerischen Experimental-Projekte ohne tiefergehenden Naturbezug, Unterstützung von berufener Seite zu erfahren.
    Aus Richtung der Stadtverwaltung und der beteiligten Stadtratsparteien weht ein ganz anderer Wind – es soll um jeden Preis gebaut werden, ohne wirkliche Rücksichtnahme auf das, was dabei unwiderbringlich zerstört wird und verloren geht. Aus dieser Ecke kommen die hartstirnigen Versuche, den Grüngürtel am Franzenbrummen diffamierend als ungenutzte „Baulücke“ und verwildertes Brachland schlecht zu reden, um es leichterhand bebauen und in einen (spekulationsfähigen) Wert bringen zu können.
    Mit dem BUND stellt sich jetzt den Bebauungsgegnern ein ebenso seriöser Partner an die Seite, was die Hoffnung erhält, dass sich auch noch weitere naturbewusste Mi-tmenschen und Gruppierungen zu Wort melden und öffentlich Position beziehen werden.
    Dieser Grüngürtel stellt als „Luftverbesserer“ einen unver-zichtbaren Beitrag zur Lebensqualität im gesamten (Alt-) Saarbrücken dar und ist Heimat für eine Vielzahl schützens-werter Tiere und Pflanzenarten.
    Neben den hier vertretenen heimischen Vogelarten taucht hier -zwar eher selten- aber immer häufiger eine Spezies auf, die zu den eher unliebsamen Arten zu zählen ist . . . der gemeine „SCHMUTZFINK“, der im kurzen Vorbeiflug versucht seine verunklimpfenden Spuren zu hinterlassen.
    Frau Schiffler möchte ich an dieser Stelle herzlich zu einem gemeinsamen Spaziergang mit offenen Augen einladen – wir gehen hier mit jeder/em spazieren, die/der sich als offen-interessiert und lernfähig zeigt.

    Kommentar by Ralf M. Klein — 31. August 2011 @ 02:19

  7. Hallo Frau „Schiffler“,

    wo waren Sie wirklich? Möglicherweise hat Sie Ihr Navi in die Irre geführt (was übrigens vielen Abkürzern passiert, die durch den Tiroler Weg Richtung Metzer Straße brausen wollen und dann in einer Sachgasse enden). Hohe Zäune mögen nicht immer der letzte Schrei sein, aber privates Eigentum – zu dem auch gepflegte Gärten gehören – kann jeder so schützen, wie er will. Biertrinkende und flaggenschwenkende Schrebergärtner gibt es an vielen Stellen in Saarbrücken. Leider gehört zu dieser Spezies auch immer grünes Land bzw. Gartengelände, was aber durch die Bebauungspläne der Stadt endlich unterbunden werden soll! Und über Musikgeschmack lässt sich sicher trefflich streiten. Doch diese Dinge nehme ich, als glücklicher Bewohner des Tiroler Viertels, nur am „Rande“ wahr – denn nur an den Rändern des Tiroler Viertels gibt es Schrebergärten, und darunter sind sehr viele gepflegte. Oder haben Sie verpachtetes Schrebergartengelände mit nicht gepflegtem Privatbesitz verwechselt? Auch das soll es geben! Hundekot: das ist natürlich ein Thema, dem sich auch Frau OB´in angenommen hat. In verächtlicher Weise soll sie sich angeblich geäußert haben, dass es da „oben“ nur eine „Hundekackwiese“ gäbe. Hier hat auf jeden Fall mehr als nur das Navi eine Fehleinstellung.
    Allerdings muss ich hinzufügen, dass auch in unserem Viertel „geschwenkt“ und auf Grillpartys Musik gehört wird. Vielleicht etwas dezenter, als das, was Ihnen den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hat, aber immerhin! In regelmäßigen Abständen lassen wir sogar unser Viertel sperren, damit alle Anwohner mal so richtig Gas geben können – bis spät in den Abend hinein. So! Ich hoffe, dass ich Ihnen jetzt so richtig Angst gemacht habe und Sie mit solchen Nachbarn, die auch noch teilweise Hunde haben, nicht zusammen leben wollen und Sie demzufolge auch kein Grundstück mehr kaufen möchten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Siegfried Both

    Kommentar by Siegfried Both — 5. September 2011 @ 17:28

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