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14. Februar 2012

Die große Kopulation

Filed under: Allgemein,Naturschutz,Politik — Godehard Gr @ 16:48

Sie wurde auf der Landesebene zwischen CDU und SPD schon vor der Wahl am 25.03.2012 beschlossen. Es bedarf danach auch keiner pränatalen Diagnostik, um die Frage zu beantworten: Wird es ein Mädchen oder ein Junge? Da es sich um eine zweieiige Zwillingsgeburt handeln wird, stellt sich nur noch die Frage, ob zuerst das Mädchen oder zuerst der Junge durchs Ziel geht. Die Antwort darauf hat jetzt keine besondere Bedeutung mehr. Beide Kinder sind bereits getauft, liegen in trockenen Windeln und ihre Zukunftspläne wurden schon abgekartet. Aber die vorzeitige Niederkunft, nämlich lange vor Ablauf der laufenden Legislaturperiode hat mit einer Million € ihren Preis. Damit könnte zum Beispiel gerade in Saarbrücken einiges zugunsten des Umweltschutzes getan werden, zum Beispiel für die Anlage von Baumgrün. Aber Grünflächen werden hier dezimiert, statt zu pflegen und zu erweitern. Das schreckliche Beispiel des kalten Kahlschlags an der Berliner Promenade (Devise der Stadtplanung: Beton statt grün) ist erschreckend. Eine Rückwärtswende im Natur- und Umweltschutz an vielen Stellen: Der Flächenfraß wird trotz erheblich zurückgehender Bevölkerungszahl immer weiter betrieben. Das ist am Franzenbrunnen so, wo ökologisch wertvolle Grünbestände verplant, zubetoniert und zerstört werden sollen. Das Saarland hätte die dringende Aufgabe, das Landesentwicklungsprogramm Siedlung an die demografische Entwicklung umgehend anzupassen und drastisch nach unten zu korrigieren, um solchen kommunalpolitischen Abenteuern den Boden zu entziehen. Aber an Neubebauung verdient die interessierte Klientel von Grundstücksspekulanten, bestimmten Planern und Baulöwen eben mehr als an Sanierung. Dabei übersieht die politisch eingebundene Klientel geflissentlich, dass nachhaltige Investitionen in die Sanierung von Baubeständen und in eine ökologische Aktivierung und Renaturierung von versiegelten Flächen die eigentliche Aufgabe und Verantwortung der Verantwortlichen in Stadt und Land ist. Der von Kreisen in den Parteien und den ihnen ergebenen Dienern und Dienerinnen in den Verwaltungen gepflegte Unverstand muss aufgebrochen werden. Die mit großer Schau und Selbstbeweihräucherung der Akteure einhergehende Schau des „immer weiter und immer größer“ muss endlich enden. Was soll ein neues Wohngebiet jetzt auch noch in Saarbrücken-Bübingen, kilometerweit weg vom Stadtkern? So will es aber Saarbrückens Stadtplanung. Dabei liegt ganz nahe der Innenstadt  die große Freifläche der früheren Ulanenkaserne weitgehend brach und harrt der Entwicklung. Die Stadt kümmert sich nicht darum. Von einer ernsthaften Stadtplanung also auch hier keine Spur!

Autofahrer „entkriminalisieren“?

Filed under: Verkehr — Dietrich Strohmaier @ 11:51

Ungestraft Fußgänger und Radfahrer umfahren dürfen? Das Auto – unser Gott?

Der Verkehrsgerichtstag debattierte kürzlich darüber, ob Verkehrsdelikte entkriminalisiert werden sollten (laut Saarbrücker Zeitung vom 27.1.2012). Die Deutsche Akademie für Verkehrswissenschaft stellt zur Debatte, Verkehrsdelikte nicht als Strafsache sondern nur als Ordnungswidrigkeit zu behandeln. Die Verursacher müssten ja zivilrechtlich Schadenersatz leisten. Da will ich meinen Augen nicht trauen: Welche Sonderrechte und Sonderrolle wollen die Autofahrer denn noch? Sie dürfen ungestraft wesentlich zur Zerstörung des Klimas und damit unserer Lebensbedingungen beitragen, durch Lärm und Abgase Menschenleben verkürzen und ungenügend geahndet durch Unfälle Tote und Verletzte sorgen. Sie nehmen sich über die von ihnen gewählten Regierungen Unsummen aus der Gemeinschaftskasse für Straßen, Parkplätze und die gesamte Infrastruktur, siehe z.B. die Abwrackprämie. Und jetzt wollen sie auch noch ungestraft Fußgänger und Radfahrer umfahren dürfen? Dass sie bei Verkehrsunfällen auch ihresgleichen verletzen und töten sei hier einmal ausgeblendet; Das Risiko gehen sie ja freiwillig ein. Die Verblendung unserer Gesellschaften in ihrer Anbetung des Autos wird hier ganz deutlich. Jetzt sollen sogar noch freiwillig Menschenopfer dargebracht werden, um den Spaß und das Geschäft zu fördern. Die meisten wissen mittlerweile, dass wir ganz klar unseren CO2-Ausstoß reduzieren müssten. Stattdessen kaufen viele immer größere und schnellere Autos und fahren damit nicht nur zuviel sondern oft auch zu schnell und leichtfertig. „Entkriminalisierte“ Autofahrer könnten dann ja noch unbeschwerter ihren Spaß suchen. Wenn es dann halt mal vorkommen sollte, dass man einen schwächeren Verkehrsteilnehmer „erledigt“ kann man das dann nicht auch noch bestrafen – meint offensichtlich die Autolobby . Anstatt Stärkung der umweltfreundlichen Verkehrsteilnehmer durch geringere Geschwindigkeit für Autos wie etwa 30 km/h in bewohnten Gebieten jetzt noch mehr Mord und Selbstmord auf unseren Straßen. Ich bin fassungslos!

Dietrich Strohmaier

10. Februar 2012

Ein Prof zu Klima etc.

Filed under: Allgemein,Politik — Dietrich Strohmaier @ 16:17

Am 9.2.2012 hielt Prof. Gerd Ganteför von der Uni Konstanz einen Vortrag zum Thema Klima, Energie, Bevölkerung in der Villa Lessing in Saarbrücken, die von der FDP-nahen Naumann-Stiftung betrieben wird. In der Anmoderation von Herrn Rehberger, dem früheren Wirtschaftsminister im Saarland, wurde auch klar wohin die politische Stoßrichtung zielte: Gegen die Energiewende der Bundesregierung. Das ist durchaus legitim und gerade auch wir Umweltschützer halten deren Umsetzung für schlecht. Aber die Ideen von Prof. Ganteför. dazu sind leider auch nicht erfreulich. Seine Ausgangslage ist zusammengefasst wie folgt:
a) Der CO2-Ausstoß der großen Länder wie China, USA usw. sei viel größer als unserer; Es bringe also nichts selbst wenn wir den auf Null reduzierten.
b) Die eigentliche Bedrohung liege nicht im CO2-Gehalt der Erdatmosphäre sondern im Anstieg der Weltbevölkerung.
c) Da die Geburtenrate mit dem Einkommen falle müsse letzteres gesteigert werden auch wenn dazu für einige Jahrzehnte ein CO2-Anstieg in kauf genommen werden müsse.
d) Den Energiebedarf könne man nicht mit Biomasse decken, da dazu auf der Erde zu wenig Fläche vorhanden wäre.
e) Ohne fossile Energien würden wir wieder in die Armut früherer Zeiten zurückfallen.
f) Als Klimaschaden komme im wesentlichen nur der Anstieg des Meeresspiegels in Betracht und gegen den könne man Deiche bauen.
g) Und wenn es schließlich in einigen Jahrzehnten doch nötig wäre könne man ja etwa Geoengineering zum Kühlen der Erde einsetzen.
Sein Fazit also: Weiter so – die Schlimmsten seien sowieso die Grünen. Da frage ich mich doch: Wie muss es um jemanden bestellt sein, der sich so seinen Blick verstellt? Der Professor (am Fachbereich für Physik, befasst sich hauptamtlich mit Nanotechnik) übersieht einfach die anderen Folgen der Erderwärmung wie Unwetter, Wüstenbldung, Hunger sowie mögliche soziale und wirtschaftliche Katastrophen. Andere Möglichkeiten von Gegenmaßnahmen wie Geburtenkontrolle, Energieeinsparung, Lebensweise usw. erwähnt er gar nicht. Und das Geoengineering ist doch ein faule Hoffnung wie das mit der Lagerung des Atommülls. Die Befürchtungen der Anderen schiebt er einfach zur Seite. So scheint er leider einfach dem Mainstream der Mehrheit und der großen Parteien zu folgen, die nicht an ein Umsteuern denken wollen und somit leichtfertig große Risiken in Kauf nehmen. Es ist zwar richtig, dass niemand die Entwicklung mit Sicherheit vorher sagen kann. Aber die Lebensklugheit sollte eigentlich jedem sagen, dass die riesigen Mengen von fossilen Brennstoffen und anderen Schadstoffen), die wir dauernd in unsere Umwelt entlassen, dieser schaden könnten und das auch tun wie jeder anhand der Gletscherschmelze sehen kann. Im eigenen Interesse würden wir z.B. besser unseren Lebensstil ändern. Solches hat der Herr Professor jedoch leider ausgeblendet.

Dietrich Strohmaier

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