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17. November 2012

„Stadtluft macht frei“, auch in Saarbrücken?

Filed under: Allgemein — Godehard Gr @ 14:21

Ja, warum auch nicht? Wäre nur die Luft reiner und nicht in weiten Teilen so lärmbelastet! Hauptursache: der motorisierte Verkehr. Amtlich eingeräumt ist allein, dass der Schadstoff Stickstoffdioxid(NO2) in der Mainzer Str. mit jedenfalls 43µg/m³ zu hoch liegt und daher Handlungsbedarf gegenüber Brüssel besteht. Denn der Höchstwert, den die Richtlinie 2008/50EG bestimmt, wird überschritten. Gemessen wurde diese Überschreitung ausgerechnet dort in der Mainzer Str., wo diese nur als Einbahnstrasse befahren werden darf und also ein erheblich niedrigeres Verkehrsaufkommen besteht. Allerdings sollen mobil durchgeführte Messungen auch an anderer Stelle in SB Überschreitungen mit NO2 ergeben haben. Aber wie ist es mit Feinstaub, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid usw.? Alles im „grünen Bereich“ der Toleranzgrenzen, so wird berichtet. Die von den Meßstellen ermittelten Werte können unter www.lua.saarlandzur Luftgüteüberwachung abgefragt werden. Übrigens wird in 3m Höhe über dem Boden gemessen, also über den Köpfen der Straßenbenutzer, statt in Kinderwagenhöhe. „Dank“ der Überschreitung des NO2-Wertes in 3m Höhe sieht man sich immerhin verpflichtet, einen Luftreinhalteplan aufzustellen, um kein Vertragsverletzungs-verfahren mit Strafzahlung zu riskieren. Dieser, nur gegen NO2 konzipierte Plan kommt zu einer wahrlich überraschenden Lösung: Da auf der Achse Viktoriastr./Brücke/Eisenbahnstr. in dichter Folge sehr viele Busse des Nah-und Regionalverkehrs fahren, sollen diese für den Dreck in der Luft verantwortlich sein (auch in Burbach, auch in der MainzerStr.?). Das müsse sich ändern, indem solche Busse umgerüstet oder durch Fahrzeuge mit moderner Filtertechnik ersetzt werden sollen. Im übrigen würden bis zum Jahr 2015 ohnehin zunehmend mehr Motorfahrzeuge verkehren, die den Abgasnormen E5 oder E6 entsprechen. Ein wirklich enttäuschendes Ergebnis für eine Arbeit, die das Landesamt seit 2010 beschäftigt und ausgerechnet den öffentlichen Personenverkehr in ein schlechtes Licht stellt, obwohl gerade er die für Luft und Klima grundsätzlich besseren Perspektiven bietet als der motorisierte Individualverkehr. Und eine Chance wurde nicht genutzt, einmal eine grundlegende Analyse mit einem konkreten Handlungsprogramm zu entwickeln ,

< das eine sicherere , beruhigte Benutzung der öffentlichen Straßen und Wege für Fußgänger und Radfahrer erlaubt;

< das den lärmgeplagten Menschen an den besonders verkehrsbelasteten Straßen Entlastung durch (überwachte!)Verkehrsbeschränkungen verschafft, insbesondere während der Nachtzeit;

< das (kostenfreie) Parkplätze am Stadtrand bietet und überhaupt Anreize schafft, nicht mit dem Auto bis in die Stadt zu fahren;

< das eine viel bessere Orientierung der Menschen über die Möglichkeiten eröffnet, den ÖPVN zu benutzen (selbst am Hauptbahnhof, dem sogenannten Eurobahnhof, gibt es keine Zentralinformation, die es erlaubt, Ziele, Strecken und Abfahrzeiten abzufragen!);

< das die motorisierten Krachschläger mit ihren oft auf „sound“ frisierten Fahrzeugen in die Schranken weist und Wege zeigt, wonach der §1 der Straßenverkehrsordnung in Saarbrücken nicht mehr länger eine Lachnummer für diese outlaws darstellt.

< Usw., usw.

Godehard Grünewald 

10. November 2012

Mangelnder Umweltschutz ist unethisch

Filed under: Allgemein — Dietrich Strohmaier @ 11:47

Unsere Rechtsordnung will grundsätzlich dafür sorgen, dass niemand fahrlässig oder gar vorsätzlich geschädigt wird. Bei Körperverletzung oder Raub schreitet die Polizei ein und der Täter wird vom Richter verurteilt. Was aber ist mit denen, die unsere Umwelt schädigen? Auto- und Flugverkehr, Konsum, Fleischverzehr usw. sind allgegenwärtig obwohl sie schwere langfristige Schäden verursachen. Etwa durch das dabei entstehende CO2, das für die Klimaerwärmung verantwortlich ist. Oder durch direkte Auto-Unfälle mit Toten und Verletzten. Der Verursacher wird zwar in diesen Fällen möglicherweise verurteilt. Aber die Ursachen – zu schnelle Autos, Vorbild Autorennen, fehlende Geschwindigkeitsbegrenzung und mehr – werden eher gefördert. Dies führt dazu, dass die
von der demokratisch abstimmenden Mehrheit gebilligte allgemeine Körperverletzung immer weiter geht. Angeblich sollen damit Arbeitsplätze gesichert werden. Sind aber die in Krankenhäusern oder Bestattungsunternehmen wirklich anzustreben? Die Mehrheit -hier die der Autofahrer – richtet insgesamt vermeidbare Schäden an ohne dafür belangt zu werden selbst wenn später sogar unsere Lebensbedingungen zerstört sind. Das ist doch wirklich schädlich und damit unethisch – also unanständig. Davon sind auch die Saarbrücker betroffen und deshalb äußert sich der BUND Saarbrücken dazu.
Wer Umweltschutz wirklich lebt tut dies nicht und handelt deshalb anständig. Das ist auch in vielen anderen Gebieten festzustellen. Etwa bei demjenigen, der nachhaltig wirtschaftet – also zum Beispiel nicht mehr Holz einschlägt als nachwächst. Das Gegenteil beobachten wir jedoch sogar weltweit: Schulden werden nicht zurück gezahlt, Pflanzen werden zu Sprit verarbeitet anstatt zu Nahrung für Menschen, Böden, Wasser und Luft werden vergiftet und mehr. Und daran beteiligt und damit verantwortlich sind alle, die sich am umweltschädlichen Konsum beteiligen; und das sind nicht nur die Produzenten – etwa die Autofirmen, die angeblich keine umweltfreundlichen Autos anbieten würden – sondern auch die Konsumenten, die viel lieber die Dreckschleudern und Krachmacher kaufen und fahren.
Für mich heißt dies: Mangelnder Umweltschutz – also Umweltverschmutzung – schädigt letztlich alle und ist somit unanständig auch wenn das die herrschende Rechtsordnung nicht sanktioniert. Umweltschutz ist ethisch richtig und sollte damit von allen eingefordert werden. Dass dies leider bei den meisten Menschen nicht der Fall ist, führt zu den bekannten Problemen, die wir weltweit beobachten können: Hunger, Krieg, Flüchtlinge usw. Das ist doch wirklich nicht was wir alle wollen, oder doch?

Dietrich Strohmaier

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