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Saarbrücken - immer noch ohne ökologische Wende?

Berliner Promenade: Gefällte Bäume

Es sieht nicht gut aus für eine Neubesinnung in der Stadt. CDU/Britz/SPD plädieren immer noch in großer Koalition auch nach den Wahlen weiter für das umweltschädliche Tunnelprojekt zur sogenannten “Stadtmitte am Fluss”. Ein Lichtblick ist aber ausgerechnet in Gestalt der FDP erschienen: Deren Fraktionschef im Stadtrat Fiedler, ebenso wie ihr Fraktionsführer Hartmann im Landtag, setzen sich hoffentlich durch, diese teure Gigantomanie zu kippen. Auch den Freien Wählern, ganz neu im Stadtrat vertreten, sei gedankt für ihre eindeutige Ablehnung! Indessen wurde die noch vom alten Stadtrat einstimmig beschlossene “Gestaltung” der Uferzone an der Berliner Promenade am 20.10.2009 eingeläutet: Reihenweise ließ die Stadt hier gesunde Bäume fällen, darunter eine Prachtplatane, die von einem Naturdenkmal zu Stammholz verwandelt wurde. Statt teurer Großprojekte wäre solide Tagesarbeit angesagt. So müssten die Markierungen der Fahrrad-/Gehwege in großem Umfang dringend erneuert, vorhandene Geh- und Radwege überhaupt in einem verkehrssicheren Zustand gehalten und planvoll erweitert werden. Gegen die Unsitte, Geh- und Radwege zum Abstellen von Kraftfahrzeugen zu nutzen, wird in Saarbrücken so gut wie nichts unternommen. Und weiter: Trotz der allgemeinen Kenntnis über die nachteiligen Folgen der weiteren Versiegelung von Grund und Boden für das Klima und den Wasserabfluss gibt es keine Bemühungen der Stadt, Ausgleich durch Entsiegelung nicht benötigter Flächen zu schaffen. Warum wird in Saarbrücken nicht, wie ansonsten in sehr vielen, auch saarländischen Städten und Gemeinden (z.B. Saarlouis, Blieskastel, Illingen), das Freilegen von versiegelten Privatflächen honoriert? Warum werden nicht endlich genügend Mitarbeiter für die Sauberhaltung von Geh-, Radwegen und Grünflächen eingesetzt, um die schlimme Verschmutzung der Stadt zu bremsen? Warum genehmigt die Stadt immer wieder Feuerwerke, die abgesehen vom nächtlichen Lärm auch den Schwebstaubgehalt unseres Gemeingutes “Luft” erhöhen? Viel ist zu tun!

Berliner Promenade: Gefällte Bäume 2

Fotos: Thomas Hey

Gleichgültig ob viel oder wenig CO2?

Es ist unanständig, seinen Mitmenschen zu verletzen. Wenn aber die meisten Verbraucher die Lebensbedingungen  aller zerstören, müsste die Gesellschaft dagegen etwas tun. Andernfalls wäre sie unheibar (?) erkrankt.

Der Klimawandel schädigt uns alle. Das Bundesumweltamt schätzt die Schäden für Deutschland auf etwa 42 Mrd. € pro Jahr. Die Furcht sitzt tief, sonst würden sich nicht weltweit viele Menschen und Regierungen damit befassen. Alle hoffen, dass bei einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur um nur 2 Grad Celsius unser Biosystem auf der Erde nicht umkippt. Tatsächlich haben wir davon schon ca. 1,25 Grad verbraucht –  je nach Bezugspunkt. Möglicherweise ist es schon zu spät, wie wir am Rückgang des Eises auf der Erde heute schon deutlich sehen können.

Einen Ausstoß von 2-3 Tonnen (t) pro Mensch und Jahr könnte die Erde vielleicht vertragen. Wir in Deutschland erzeugen aber 11t, im Saarland gar 20t. Es sollte also im Interesse aller sein, den Ausstoß zu senken. Dieser Aspekt müsste eigentlich Vorrang auch vor wirtschaftlichen Erwägungen haben. Wenn die Lebensbedingungen zerstört sind, nützen auch keine Arbeitsplätze mehr.

Deshalb kann es der Gesellschaft nicht gleichgültig sein, ob jemand viel oder wenig ausstößt. Wenn sie das nicht wollte, wäre sie ernsthaft erkrankt. Sie sollte sagen, dass es unanständig ist, mehr als 3t CO2 etwa für Verkehr, Heizen, Konsum usw. auszustoßen. So wie es als unanständig angesehen wird, jemanden zu verletzen. Wer selbst nicht geschädigt werden will, sollte auch nicht andere schädigen. Eine weitere Möglichkeit wäre, diejenigen zu belohnen, die sich vorbildlich verhalten und etwa Rad, Bus und Bahn fahren oder nicht fliegen.

Wie sehen Sie, Besucher dieser Seite, das? Kennen Sie überhaupt Ihren CO2-Ausstoß? Sehen Sie im Internet nach oder fragen Sie die Verbraucherzentrale. Der BUND Saarbrücken würde gerne Ihre Meinung dazu wissen. Schicken Sie uns eine Mail unter mail@bund-sb.de, rufen Sie uns an unter 0681 9679440 oder schreiben an BUND Saarbrücken, Ev.-Kirch-Str. 8, 66111 Saarbrücken.

(Dies ist die Langfassung des Artikels im Umweltmagazin)

Energiesparen

Leserbrief an Saarbrücker Zeitung

Hallo Redaktion “Beilage Energiesparen”,

Zu Ihrem Artikel “Wissen zahlt sich aus” in der Beilage “Energie sparen”
vom 27./28.6.2009 merkt der BUND Saarbrücken (BUND = Bund für Umwelt-
und Naturschutz in Deutschland) an:

Eine Reihe der Tipps zum Energiesparen sind durchaus in Ordnung:
Solarradio (von Belang?), Wasser für Spül-/Waschmaschine aus der
Warmwasseranlage (ist in USA seit Jahrzehnten üblich), dreifach
verglaste Fenster, Umwälzpumpen bedarfsmäßig zuschalten, korrekte
Heizkurven. Eine gewisse Bedeutung für die CO2-reduktion könnte
allerdings nur der Anschluss der Spül-/Waschmaschinen an den
Warmwasserkreislauf bekommen. Die hohen Mehrkosten schrecken allerdings
ab. Diese sind allerdings nicht gerechtfertigt wie das beispiel USA zeigt.
Die Vorschläge “Heizung nie ganz aus” und “Nur zweimal täglich
aufheizen” sind allerdings bedenklich da sie nicht zu
Energieeinsparungen führen werden. Die Wärmeverluste eines Hauses können
nur reduziert werden durch Absenkung der Temperaturen an der Außenwand
entweder durch niedrigere Innentemperaturen oder bessere Isolierung.
Und das wird mit dem vorliegenden Vorschlag nicht erreicht.

Unser Mitglied Dietrich Strohmaier hatte Ihnen einen Vorschlag gemailt,
den Sie unerwähnt ließen, nämlich fast gar nicht zu heizen. Das würde
ganz klar wirklich etwas bringen. Dass sie das unerwähnt ließen spricht
nicht gerade für Ihre Beilage. Wir vermuten, dass das Ihren
Kooperationspartnern (z.B. Energis) möglicherweise nicht recht sein
wird. Denn schließlich leben diese vom Verkauf von Energie.

Insgesamt sehen wir in Ihrer Beilage einen grundsätzlich begrüßenswerten
aber letztlich zu zögerlichen Ansatz, der selbst bei Befolgung
durch alle kaum etwas bringt. Der CO2-Ausstoß muss möglichst schnell von
durchschnittlich 11 t/Kopf, Jahr auf 2,5 t gesenkt werden. Wenn Sie das
nicht einmal thematisieren betreiben Sie nur Augenwischerei.Die
Bedeutung dieses Themas sehen Sie daran, dass sich sogar der G8-Gipfel
mit den maßnahmen gegen den Klimawandel befasst hat.

Einen sehr guten Energiespartipp kennen Sie wie die meisten: Kleinere,
langsamere Autos weniger fahren. Doch wenn wir Ihre Motor-Beilage
betrachten: Nach wie vor Verherrlichung des Autos alter Prägung. Kein
Wort über die Erfordernisse der heutigen Zeit. So entwerten Sie Ihr
Blatt leider selbst.

Mit freundlichen Grüßen

Dietrich A. Strohmaier

Stadtmist am Fluß

Auf große Resonanz stiess die klar ablehnende Stellungnahme unseres Landesvorstands  gegen dieses teure Großprojekt. Es lohnt sich, die Presseerklärung Nr. 3/2009 auf der Seite bund-saar.de nochmals anzuschauen. Die dazu veröffentlichten Meinungen Dritter fielen in Presse, Rundfunk und Fernsehen durchaus unterschiedlich aus. Um nochmals in einigen wesentlichen Punkten zusammen zu fassen:

1. Das Projekt würde durch die Untertunnelung der Autobahn A620 zu einer gravierenden Verschlechterung des Hochwasserabflusses der Saar führen und umfangreiche Massnahmen erfordern, um als Ausgleich neuen Stauraum im Bereich des Naturschutz- und FFH-Gebiets St. Arnualer Wiesen zu schaffen. Es wird damit aber die Möglichkeit beseitigt,  im Hinblick auf die Klimaveränderung mit vom Umweltbundesamt im Saarland untermauerter, gravierender Zunahme der Winterniederschläge hier vielleicht neuen, zusätzlichen Stauraum für Hochwasser zu schaffen.

2. Die Untertunnelung würde tief im Grundwasser liegen und zu einem Grundwasserstau auf der Hangseite führen. Grundwasser müsste deshalb laufend abgepumpt werden, um es in die Saar zu befördern.

3. Im Wasserschutzgebiet der Gewinnungsanlage St. Arnual sind große Eingriffe in die Deckschicht erforderlich, eine Gefährdung des Grundwassers kann nicht ausgeschlossen werden.

4. Die Wilhelm-Heinrich-Brücke müsste vollständig abgerissen und neu gebaut werden, die dortige Ein- und Ausfahrt auf die Autobahn wäre nicht mehr möglich, mit gewaltigen Problemen für den innerstädtischen Verkehr: Auf der Röderstr. werden über 17.ooo Fahrzeuge am Tag erwartet. Dabei soll eine solch befahrene Straße und deren Umgriff nach dem Planungsziel der Stadt Saarbrücken eine “Promenade” bilden mit Erholungsfunktion und Genuss der Nähe zum Fluss!! Auch etliche andere Straßen wie Stengel-, Metzer-, Mainzer-, Halbergstr. werden bei Realisierung des Projekts noch weiter mit Verkehr belastet werden.

Das alles ergibt sich aus den eigenen, den Planungsbehörden vorliegenden Gutachten. Aber man will das Projekt, koste es was es wolle. Dabei könnte der gesamte Bereich der A620 ohne das gigantische Tunnelprojekt und damit viel billiger durch Lärmschutzwände beiderseits der Fahrbahnen entscheidend ruhiger werden. Das gilt gerade auch für den Staden, vor allem auch dann, wenn auch überwachte Geschwindigkeitsbeschränkungen bestimmt und schallschluckende Fahrbahnbeläge aufgebracht würden.

Zu unserer Kritik gibt es bemerkenswerte Stellungnahmen aus dem politischen Raum: Der Oberbürgermeisterin von Saarbrücken fiel dazu ein, den Verkehr auf der Röder-Str. dann eben mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h zu regulieren. Jeder Verkehrsteilnehmer müsste aber wissen, dass bei einer auf 30 km/h, wenn sie denn überhaupt eingehalten werden, dann mit so vielen Fahrzeugen belasteten Röderstr Staus. weiterer Lärm und Abgase sowie Umgehungssuchverkehr die zwingende Folge wären.

Direkt lustig ist eine Stellungnahme des Stadtverordneten Guido Vogel von den Grünen (hier und hier), denn er hält die Kritik des BUND nur für halb gerechtfertigt, stimmt aber selbst einer Mittelvergabe für das Projekt zu, also ein Projekt, das nach seiner eigenen Wertung doch wohl zumindest halb falsch sein muss. So biedert er sich den anderen Stadtratsfraktionen an,  wohl im Hinblick auf die kommende Stadtratswahl und künftige Koalitionen. Doch gerade bei diesem Riesenprojekt mit mindestens 400 Millionen € Kosten sind taktische Halbherzigkeiten weder im Sinne von Natur und Umwelt angebracht, noch  im Sinne eines sorgsamen Umgangs mit öffentlichen Mitteln, aus welchen öffentlichen Töpfen das Geld auch immer kommen soll; denn sie speisen sich immer aus den Steuern und Abgaben der Bürger.

Stellungnahme 2: Saarbahn, Herr Backes

Herr Manfred Backes, Generalbevollmächtigter von Stadtbahn/Saarbahn,
antwortete auf unsere Stellungnahme zur “Fachtagung Verkehr in
Saarbrücken” wie folgt:

Sehr geehrter Herr Strohmaier,

ich empfehle Ihnen eine Lekture meines Kurzvortrages, den die IHK im Internet veröffentlicht hat. Sie werden dann feststellen, dass das von Ihnen angesprochene Thema Busspuren und LSA-Beschleunigung an zwei Stellen erwähnt wird. So verweise ich ausdrücklich darauf, dass die Einrichtung von Busspuren und LSA-Beschleunigungen im Jahr 1985 zu einer Verbesserung des ÖPNV in Saarbrücken geführt hat . Darüber hinaus wird das Thema unter der Überschrift weitere Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung von mir als Forderung an die Saarbrücker Politik angesprochen. Außerdem sollten Sie als ÖPNV-Nutzer wissen, dass für die Saarbahn (Schiene) an allen Kreuzungen eine Vorrangschaltung gegeben ist.

Mit freundlichen Grüßen ….

Hierauf antworteten wir wie folgt:

Sehr geehrter Herr Backes,

für Ihre Antwort auf unsere Stellungnahme danken wir Ihnen. Es stimmt was Sie geschrieben haben. Es gibt tatsächlich bereits Busspuren in SB. Das erscheint uns aber in Anbetracht der Bedeutung des ÖPNV für Saarbrücken und das Saarland einfach zu wenig. Sie sprachen vor allem über die Geschichte der Saartallinien. Kein Wort über die Möglichkeiten des ÖPNV zur Verbesserung der Lebensqualität, der Nachhaltigkeit, der Stadtentwicklung usw.. Klimawandel, CO2-Ausstoß und andere Nachteile des MIV kamen bei Ihrem Vortrag nicht vor. Und nun noch zu den Busspuren: Die sind von 1985 - das ist 24 Jahre her. Sie wissen doch selbst am besten wie oft Ihre Busse im Stau stehen und deshalb Verspätungen bekommen, Anschlüsse verpassen und dergleichen mehr. Es könnte noch vieles getan werden, um die Akzeptanz des ÖPNV zu erhöhen.
Von einer Vorrangschaltung für die Saarbahn habe ich jedenfalls noch nichts gemerkt. Die Saarbahnen müssen oft genug warten. Und warum gibt es eigentlich keine Vorrangschaltung für Busse? Von dem führenden Vertreter des ÖPNV-Fachunternehmens der LHS erwarten wir einfach mehr Einsatz und Überzeugungsarbeit. Wenn dann die Stadträte
anders entscheiden sollten: Sie hätten dann Ihre Arbeit gemacht.

Mit freundlichen Grüßen

Dietrich A. Strohmaier
Sprecher des BUND Saarbrücken

Stellungnahme 1: Landesbetrieb für Straßenbau, Dr. Hanke

Herr Dr. Horst Hanke, Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau,
antwortete auf unsere Stellungnahme zur “Fachtagung Verkehr in
Saarbrücken” wie folgt:

Sehr geehrter Herr Strohmeyer,

Vielen Dank für die Übermittlung Ihrer Einschätzung. Ihre Kritik an meinem Referat veranlaßt mich zu einer Ergänzung:
Neben den Projekten für den MIV in und um Saarbrücken, die ich in meinem Referat dargestellt habe, gibt es beim Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) auch intensive Arbeiten zur Förderung des Radverkehrs. Im Dezember 2008, genau einen Tag nach dem ADAC-Kolloquium, haben wir eine Initiative zum “Radverkehrsplan Saarland” gestartet. Im Rahmen dieser Initiative machen wir in enger Abstimmung mit den Kreisen und Kommunen eine saarlandweite Bestandsaufnahme des überörtlichen Radwegenetzes (Alltags- und Touristiknetz), detailliert mit Ausstattung und Zustandsbewertung. Auf dieser Basis entsteht dann eine strategische Planung für Netzergänzungen und -erweiterungen sowie Zustandsverbesserungen. Dieses Gesamtkonzept wird vsl. im Herbst 2009 vorliegen. Die Stadt Saarbrücken ist hierin, insbesondere auch über Herrn Teschner, eingebunden.
Ich habe dies in dem ADAC-Kolloquium deshalb nicht vorgetragen, weil dies den Rahmen meines Vortrages gesprengt hätte, der mir vorgegeben war, und dieses Thema Herrn Teschner vorbehalten war. Gleiches gilt übrigens auch für den ÖPNV, den Herr Backes vorgetragen hat. Der LfS ist schon seit einiger Zeit gemeinsam mit der Stadt Saarbrücken und der Saarbahn im VMS (Verkehrsmenagement Saar) aktiv, innerhalb dessen insbesondere auch die Optimierung der Verknüpfungen und der Abstimmung zwischen IV und ÖV vorangetreiben wird mit dem Ziel der Verlagerung von Verkehren auf den ÖV.

Mit freundlichen Grüßen ….

Hierauf antworteten wir wie folgt:

Sehr geehrter Herr Dr. Hanke,

für Ihre Antwort auf unsere Stellungnahme danken wir Ihnen. Es freut uns sehr, dass das Land den Radverkehr fördern will und zudem noch Verkehr auf den ÖV verlagern will. Das begrüßen wir selbstverständlich. Ihrem Vortrag konnte ich das nicht entnehmen und die anderen genannten Referenten haben das auch nicht so deutlich vorgetragen.
Für uns wäre nun interessant zu wissen, in welchem Zeitraum Sie welche Verlagerungen anstreben. Hat es schon früher solche Bestrebungen gegeben und was ist aus diesen geworden? Wir würden einen solchen Weg gerne begleiten.
Nach unserer Kenntnis stehen im Vordergrund der Anstrengungen des Landes vor allem Straßenbau-Projekte wie Spange Ensdorf/Überherrn, die Südumgehung Riegelsberg, die A1-Verschwenkung usw. Diese Projekte werden eher noch mehr MIV produzieren. Auch beim ÖV sind die Anstrengungen eher schwach. Die Gelder, die das Land hierfür ausgibt, stammen vor allem aus Mitteln des Bundes. Sollten Ihnen hier andere Zahlen bekannt sein würden wir uns über eine derartige Information freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Dietrich A. Strohmaier
Sprecher des BUND Saarbrücken

Stellungnahme zum Fachgespräch “Verkehr in Saarbrücken” am 2.12.2008

Sehr geehrte Damen und Herren,

ADAC und IHK veranstalteten am 2.12.2008 ein Fachgespräch zum Verkehr in Saarbrücken. Leider waren die Beiträge dazu im wesentlichen autozentriert. Weder Klimawandel noch CO2-Ausstoß kamen dabei vor. Die anschließende Diskussion war zu kurz, um unsere Position dastellen zu können. Deshalb nehmen wir - der BUND Saarbrücken - hier wie folgt zu den einzelnen Beiträgen Stellung:

1) Referent Michael Dinter, Planungsbüro AS&P

Herr Dinter berichtete über verschiedene Formen von übergeordneten Verkehrsplänen. Es blieb aber offen welche Form für Saarbrücken geeignet ist.

2) Referentin Dr. Rena Wandel-Höfer, Baudezernentin SB (LHS)

Der BUND begrüßt die Vorstellung der Baudezernentin, den Verkehrsplan für SB in ein übergeordnetes Leitbild (Masterplan) einzuordnen. Dieses liegt leider noch nicht vor, so dass ein Verkehrsplan zur Zeit nur eine erste Annäherung sein kann. Der bisher vorliegende Plan (VeP) ist nicht nur veraltet sondern auch rein autozentriert. Die Hinweise darin auf mehr ÖPNV und Radverkehr z.B. sind eher rhetorisch. Der BUND fordert, den Schwerpunkt auf eine nachhaltige Entwicklung zu setzen, die den CO2-Ausstoß reduziert und den Klimawandel verlangsamt, sowie die Lebensqualität in Saarbrücken erhöht. Es wäre schön wenn die Baudezernentin ihre offenbar dementsprechenden Prioritäten in der Stadt verwirklichen kann.

3) Referent Dr. Hanke, Straßenbau Saarland

Die Vorstellungen von Dr, Hanke bezogen sich rein auf die Einbindung des Saarbrücker MIV in den saarländischen und gingen von einem weiter steigenden Verkehrsaufkommen auf der Straße aus. ÖPNV oder Radverkehr kamen dort gar nicht vor. Der BUND hält das für rückwärts gewandt und nicht nachhaltig. Er erwartet von der Landesregierung eine
Politik für alle Bürger.

4) Referent Werner Konz, Wirtschaftsverkehr

Herr Konz fühlt sich von der Gesellschaft nicht genügend unterstützt. Er blendet etwa aus, dass LkWs einen großen Anteil an der Abnutzung der Straßen und der Umweltverschmutzung haben, die von der Gesellschaft getragen werden. Der BUND vermisst z.B. ein Konzept für eine nachhaltige Güter-Mobilität in Kooperation mit Bahn-, Schiffs-  und Luft-Verkehr.

5)  Referent Christoph Kleer, Einzelhandel

Auch Herr Kleer klagt über ungenügende Förderung des MIV da dieser ihm doch die meisten Umsätze brächte. Dass immerhin heute schon 40% der Menschen nicht mit dem Auto in die Stadt kommen ist für ihn offensichtlich ohne Bedeutung. Der BUND vermisst auch hier wenigstens einen Ansatz zu einer nachhaltigen Konsumwirtschaft.

6)  Referent Peter Jädtke, Q-Park

Er bemängelt zu Recht, dass Saarbrücken zu viele Parkplätze kostenlos im öffentlichen Raum anbiete. Auch der BUND sieht hier eine einseitige Bevorzugung und Förderung des MIV auf Kosten der Allgemeinheit. Er fordert die LHS auf, die Parkraumbewirtschaftung zu einem nachhaltigen Gleichgewicht zwischen den Verkehrsträgern zu nutzen.

7)  Referent Manfred Backes, Saarbahn (und saarVV)

Die Möglichkleiten des ÖPNV zur Entlastung der Innenstadt und zu einer nachhaltigen Verkehrsgestaltung stellte Herr Backes nicht genügend heraus. So fehlte wtwa eine deutliche Forderung für richtige Busspuren mit Vorrangschaltungen, auch für die Saarbahn. Dies könnte den ÖPNV in SB deutlich attraktiver machen. Der BUND erwartet, dass ein so prominenter Vertreter des ÖPNV sich deutlicher für dessen Vorteile einsetzt.

8) Referent Peter Teschner, Radverkehrsbeauftragter SB

Leider konnte Herr Teschner keine Pläne für eine Steigerung des Radverkehrsanteils in SB vorstellen. Es war offensichtlich, dass weder die Verwaltung noch die politische Mehrheit im Stadrat ihm hierfür die Möglichkeiten an die Hand geben. Der BUND hofft, dass die Baudezernentin hier in Zukunft mehr bewirken kann.

9) Diskussion

Es ist bedauerlich, dass die anwesende angebliche Elite die Herausforderungen der
Zukunft wie CO2-Reduzierung und Klimawandel offensichtlich ausgeblendet hat. Stattdessen geht es ihr vordringlich etwa um die weitere Förderung des Autoverkehrs. Kennzeichnend ist, dass sie vordergründig gegen Behinderungen beim Autofahren zu Felde zieht. Der BUND fordert, dass diese Elite sich endlich zur Verantwortung für unsere
Lebensbedingungen und Zukunft bekennt und sich entsprechend verhält. Der BUND begrüßt das Bekenntnis des ADAC, nicht nur das Autofahren in den Vordergrund zu stellen sondern sich auch um die übergeordneten Belange wie sie etwa in dem erwähnten Masterplan formuliert würden zu kümmern. Der BUND bietet an, über die anstehenden Probleme mit allen Beteiligten Gespräche zu führen.

Abwasser, wo bleibst Du? - Unser schmuddeliger Untergrund.

Unser aller Abwasser sollte zum Schutz der Umwelt und besonders des Grundwassers vollständig in Kanälen gesammelt und den Kläranlagen zur Reinigung zugeleitet werden. Das kostet Geld, in Saarbrücken müssen derzeit für jeden Kubikmeter 2,91€ bezahlt werden. Diesen Aufwand sollte es aber wert sein, wenn am Ende des Reinigungsprozesses in die Vorfluter wieder Wasser in guter Qualität abfließt. Aber mangels ordnungsgemäßen Kanalunterhalts verschwinden leider Unmengen von Schmutzwasser in defekten, undichten Kanälen, bevor es überhaupt eine Kläranlage erreicht. Nach sachverständigen Schätzungen handelt es sich um 15 bis 25% des gesamten Abwassers, das auf diese Weise ungereinigt das Grundwasser verschmutzt (vgl. DWA, Dt. Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, Undichte Kanäle-(k)ein Risiko, 2006, Seite 3). In Saarbrücken spricht sehr viel dafür, dass die Verlustquote eine Höchstmarke erreicht. Zahlen gibt es dazu nicht, die Stadt könnte aber nicht nur die Quote ermitteln, sondern auch dann durch zügige Reparatur dem Übel abhelfen. Regelmäßige Kanaluntersuchungen und -reinigungen sind verpflichtender Stand der Technik. Kaum ein Bürger hat aber Gelegenheit, sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen, wie es in den Kanälen aussieht und ob diese Pflicht erfüllt wird. Leider bestehen wesentliche Indizien dafür, daß es um die Saarbrücker Kanäle schlecht bestellt ist. Da sind einmal die gewaltigen Geruchswolken, die besonders bei bestimmten Wetterlagen aus den Kanalschächten strömen. Darüber hinaus ist an ganz vielen Stellen der Stadt sichtbar, dass bereits die Straßenentwässerung mangelhaft behandelt wird: Díe Einlaufschächte sind oft bis obenhin verstopft, ja es zeigt sich sogar üppig daraus herauswachsender Bewuchs. So zum Beispiel in der Halbergstr. oder in den Einlaufgittern längs des Verlaufs der Saarbahn in der Großherzog-Friedrich-Str. Die Folgen bei starkem Regen zeigen sich entsprechend: Fußgänger und Radfahrer werden von Wasserfontänen “geduscht”, wenn motorisierte Verkehrsteilnehmer die sich stauenden Pfützen durchfahren. Oder sie müssen im Slalom gehen bzw. fahren, um auszuweichen. Dabei haben die Bürger und Gewerbetreibenden auch für die Straßenentwässerung ihren Herstellungsbeitrag geleistet. Der mangelnde Unterhalt der öffentlichen Einrichtungen stellt also insgesamt einen Betrug am Zahlungspflichtigen dar, sowohl bei der Abwassergebühr als auch beim Kanalbeitrag. Und immer geht diese Schlamperei vor allem auch zu Lasten der Umwelt.

Saarbrücken und die Klimaerwärmung

Auch in Saarbrücken trägt jeder Einwohner maßgeblich zur Klimaerwärmung bei. Wie kann man dies vermeiden?

Jeder weiß mittlerweile: Das Klima verändert sich. Durch den erhöhten CO2-Gehalt in der Atmosphäre schmelzen zum Beispiel die Gletscher und das Packeis. Noch merken wir nicht viel davon in der Stadt. Aber: Das Saarland als Energielieferant aus Kohle trägt wesentlich zum erhöhten CO2-Gehalt bei. Im Durchschnitt kommen auf jeden ca. 20 Tonnen CO2 pro Jahr (t/a). Das ist etwa so viel wie die Hauptverschmutzer USA und China pro Kopf beitragen. Der Durch schnitt in Deutschland liegt bei 11 t/a. Umweltverträglich wären höchstens 2,5 t/a. Der obige Wert enthält auch die Emissionen aus Industrie, Verkehr, Heizung usw.

Jeder, der also auch in Saarbrücken mehr als die 2,5 t/a erzeugt, ist damit mitverantwortlich für die Klimaerwärmung. Zur Vorstellung hier einige Daten für die CO2-Erzeugung:

  • Transatlantikflug: 0,7 t/a (3,5 l/100 km, 8000km)
  • 1 Jahr Mittelklasse-Auto: 2,5 t/a (7 l/100 km, 15000 km)
  • 1 Jahr Wohnungsheizung 2,5 t/a (Altbau, 18 l Öl/qm, Jahr, 50 qm)
  • Stromverbrauch: 0,9 t/a (1000 kWh/Jahr, 0,9 kg CO2/kWh)

Das sind schon zusammen 6,6 t. Hinzu kommt noch der Konsum, die Ernährung usw.

Im Internet kann man seinen individuellen CO2-Ausstoß berechnen, z.B. unter der Adresse www.lfu.bayern.de/luft/fachinformation/co2-rechner/index.htm.

Jeder „Normalbürger“ ist also sehr an der negativen Entwicklung beteiligt. Aber es gibt einige, die fliegen nicht, die fahren kein Auto, die isolieren ihr Haus, investieren in Solarkollektoren, Photovoltaik usw. und gehen damit in die richtige Richtung. Folgen Sie doch diesen Vorbildern!

Es ist z.B. relativ einfach und noch nicht einmal teurer, zu Ökostrom-Anbietern zu wechseln. Wer Ökostrom bezieht verhindert, dass diese Menge als Kohle- oder gar Atomstrom produziert wird. Das wäre doch schon mal etwas.

Aktuelle Entwicklungen in Saarbrücken
Leider gibt es vor allem negative Entwicklungen der Umweltsituation in Saarbrücken:

Die Stadtwerke haben jetzt weitere Anteile am Kraftwerk verkauft. Erst an Electrbel und jetzt auch an RWE und VSE. Zwei Anbieter, die vor allem Kohle- und Atomstrom verkaufen. Dies wird nicht dazu führen, dass in Saarbrücken der Anteil der alternativen Energien steigt.

Die Saarbahn stagniert. Die Verlängerung von Riegelsberg nach Etzenhofen ist zwar fertig, wird aber aus finanziellen Gründen nicht betrieben. Hier zeigt sich der Konstruktionsfehler, den der Saarbrücker Stadtrat nicht erkannt hatte: Die Saarbrücker wollen öffentlichen Verkehr (ÖPNV) über ihre Stadtgrenzen hinaus organisieren ohne dafür autorisiert zu sein. Überregionaler Verkehr ist Sache des Landes. Und jetzt wollen sie den Verlust durch den ÖPNV, der schon immer da war, nicht mehr alleine tragen. Am stilliegenden Streckenteil zeigt es sich: Nicht nur, dass das investierte Geld brach liegt. Die Umwelt wird nicht wie geplant entlastet. Überhaupt ist deren Entlastung durch die Saarbahn in Anbetracht der investierten Gelder leider zu gering.

Wie jeder in Saarbrücken sehen kann: Es fehlt am politischen Willen dazu. Die Saarbahn zockelt von Ampel zu Ampel durch die Stadt anstatt dass Politik und Verwaltung durch Ampelvorrangschaltungen die Attraktivität der Saarbahn steigern. Dies könnte man übrigens auch für Busse machen. In anderen Städten ist das selbstverständlich. Das Auto hat leider immer noch Vorrang in der Stadt mit der höchsten Kfz-Dichte.

Jeder kann auch sehen wo Saarbrücken vor allem sein Geld (auf Pump) investiert: Die Großbaustellen Ludwigsbergkreisel und Ostspangen-Ei dienen vor allem dem Autoverkehr. Der umwelt- und menschenfreundliche Radverkehr bleibt auf der Strecke. Seit die jetzige Koalition im Stadrat das Sagen hat wurden die Mittel hierfür komplett gestrichen. Und so sind die Radwege und der Radverkehrsanteil weiter auf einem sehr niedrigen Niveau stehen geblieben.

Keine Antwort ist auch eine Antwort!

Da hatten wir unter dem 02.April dieses Jahres an die Geschäftsführerin des Karstadt Warenhauses in Saarbrücken wie folgt geschrieben und zwar, wie wir meinen, sehr freundlich:

“Sehr geehrte Frau Neumann-Radziszewski,

sicherlich können wir davon ausgehen, dass Ihnen die Zweckbestimmung unserer Organisation bekannt ist, die insbesondere auch darin besteht, Umweltgefährdungen abzuwehren und dagegen aktiv vorzugehen. Im Klima- und auch Lärmschutz sehen wir daher bedeutende Aufgaben unserer Tätigkeit, zu der sich allein in Saarbrücken rund 600 Menschen durch ihre Mitgliedschaft bekennen. Wir bedauern daher, dass Ihr Haus über das Reisebüro Vergnügungsflüge veranstaltet, die im August an 2 Tagen mit einer Junkers Ju52 stattfinden sollen. Dabei ist Fliegen schon als solches durch den damit verbundenen Schadstoffausstoß schädlich genug. Aber reine Nostalgieflüge, wie sie hier angeboten werden, rechtfertigen in keiner Weise die damit für die Menschen in und um Saarbrücken einhergehenden Lärmbeeinträchtigungen, noch die erwiesenermaßen klimaschädlichen Immissionen von Kohlendioxyd usw. Insgesamt sehen wir die von Ihrem Haus angebotenen Sonderflüge nicht als eine verantwortbare Werbung an. Dabei wissen wir, dass es eher auf Gedankenlosigkeit beruhen dürfte, in der heutigen Zeit solche “Angebote” zu unterbreiten. Um so mehr würden wir uns freuen, wenn Ihr Haus im Interesse von Natur und Umwelt - und das heißt insbesondere auch im Interesse der Menschen - auf solche Aktivitäten verzichten würde. Gerne sehen wir Ihrer Antwort entgegen und wünschen Ihnen gleichzeitig viel Erfolg bei Ihrer verantwortungsvollen Arbeit als Leiterin der Filiale Saarbrücken.

Mit freundlichen Grüßen”

Anwort: keine. Die schädlichen Umweltluftnummern fanden statt.

Godehard Grünewald

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