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13. Oktober 2009

Abwrackprämie: Bekommt der Staat sein Geld?

Filed under: Energie,Verkehr — Dietrich Strohmaier @ 17:11

In der Saarbrücker Zeitung vom 02.10.09 hat ein Horst Müller aus Riegelsberg sich
zu meinem Leserbrief zur Abwrackprämie geäußert: Der Staat
bekäme doch sein Geld – was ich denn wolle. Er habe beim Neukauf seines
Autos über 3000 € Mwst bezahlt. Blieben dem Staat nach Abzug der
Abwrackprämie doch noch über 500 €. Ist doch erst mal nicht falsch, oder?

Dazu habe ich wie folgt Stellung genommen:

Herr Müllers Aussage (Der Staat nimmt auch beim mit der Abwrackprämie
geförderten Auto die Mehrwertsteuer ein) stimmt nur zum Teil. Er
übersieht die Folgen seines „Geschäftsmodells“: Anstatt rund 3000 € hat
der Staat nur 500 in der Kasse. Wenn man das grundsätzlich so machen
würde müsste die die Mehrwertsteuer (Mwst.) auf rund 100 % angehoben
werden. Wie hoch müsste die Mwst. steigen, um den auch von Herrn Müller
erhöhten Schuldenberg in absehbarer Zeit abzutragen? Ich – ein nur
radfahrender Steuerzahler – muss also doch dafür mit aufkommen. Ich
wundere mich, dass Herr Müller nicht selbst darauf gekommen ist.  Er
hätte auch die anderen Argumente berücksichtigen können, etwa die
Gerechtigkeit. Hätten nicht die Beschäftigten in anderen Branchen auch
ein Recht auf Vorzugsbehandlung? Ist der Autowahn daran schuld, dass die
meisten Autofahrer das nicht wissen wollen? Ich vermute, dass dieser
Herrn Müller auch dazu bringt, meine Meinungsäußerung als Polemik
hinzustellen oder meine Rechenfähigkeiten anzuzweifeln.

14. Juli 2009

Energiesparen

Filed under: Allgemein,Energie,Leserbrief — Dietrich Strohmaier @ 14:30

Leserbrief an Saarbrücker Zeitung

Hallo Redaktion „Beilage Energiesparen“,

Zu Ihrem Artikel „Wissen zahlt sich aus“ in der Beilage „Energie sparen“
vom 27./28.6.2009 merkt der BUND Saarbrücken (BUND = Bund für Umwelt-
und Naturschutz in Deutschland) an:

Eine Reihe der Tipps zum Energiesparen sind durchaus in Ordnung:
Solarradio (von Belang?), Wasser für Spül-/Waschmaschine aus der
Warmwasseranlage (ist in USA seit Jahrzehnten üblich), dreifach
verglaste Fenster, Umwälzpumpen bedarfsmäßig zuschalten, korrekte
Heizkurven. Eine gewisse Bedeutung für die CO2-reduktion könnte
allerdings nur der Anschluss der Spül-/Waschmaschinen an den
Warmwasserkreislauf bekommen. Die hohen Mehrkosten schrecken allerdings
ab. Diese sind allerdings nicht gerechtfertigt wie das beispiel USA zeigt.
Die Vorschläge „Heizung nie ganz aus“ und „Nur zweimal täglich
aufheizen“ sind allerdings bedenklich da sie nicht zu
Energieeinsparungen führen werden. Die Wärmeverluste eines Hauses können
nur reduziert werden durch Absenkung der Temperaturen an der Außenwand
entweder durch niedrigere Innentemperaturen oder bessere Isolierung.
Und das wird mit dem vorliegenden Vorschlag nicht erreicht.

Unser Mitglied Dietrich Strohmaier hatte Ihnen einen Vorschlag gemailt,
den Sie unerwähnt ließen, nämlich fast gar nicht zu heizen. Das würde
ganz klar wirklich etwas bringen. Dass sie das unerwähnt ließen spricht
nicht gerade für Ihre Beilage. Wir vermuten, dass das Ihren
Kooperationspartnern (z.B. Energis) möglicherweise nicht recht sein
wird. Denn schließlich leben diese vom Verkauf von Energie.

Insgesamt sehen wir in Ihrer Beilage einen grundsätzlich begrüßenswerten
aber letztlich zu zögerlichen Ansatz, der selbst bei Befolgung
durch alle kaum etwas bringt. Der CO2-Ausstoß muss möglichst schnell von
durchschnittlich 11 t/Kopf, Jahr auf 2,5 t gesenkt werden. Wenn Sie das
nicht einmal thematisieren betreiben Sie nur Augenwischerei.Die
Bedeutung dieses Themas sehen Sie daran, dass sich sogar der G8-Gipfel
mit den maßnahmen gegen den Klimawandel befasst hat.

Einen sehr guten Energiespartipp kennen Sie wie die meisten: Kleinere,
langsamere Autos weniger fahren. Doch wenn wir Ihre Motor-Beilage
betrachten: Nach wie vor Verherrlichung des Autos alter Prägung. Kein
Wort über die Erfordernisse der heutigen Zeit. So entwerten Sie Ihr
Blatt leider selbst.

Mit freundlichen Grüßen

Dietrich A. Strohmaier

16. Oktober 2008

Saarbrücken und die Klimaerwärmung

Filed under: Allgemein,Energie — Dietrich Strohmaier @ 08:09

Auch in Saarbrücken trägt jeder Einwohner maßgeblich zur Klimaerwärmung bei. Wie kann man dies vermeiden?

Jeder weiß mittlerweile: Das Klima verändert sich. Durch den erhöhten CO2-Gehalt in der Atmosphäre schmelzen zum Beispiel die Gletscher und das Packeis. Noch merken wir nicht viel davon in der Stadt. Aber: Das Saarland als Energielieferant aus Kohle trägt wesentlich zum erhöhten CO2-Gehalt bei. Im Durchschnitt kommen auf jeden ca. 20 Tonnen CO2 pro Jahr (t/a). Das ist etwa so viel wie die Hauptverschmutzer USA und China pro Kopf beitragen. Der Durch schnitt in Deutschland liegt bei 11 t/a. Umweltverträglich wären höchstens 2,5 t/a. Der obige Wert enthält auch die Emissionen aus Industrie, Verkehr, Heizung usw.

Jeder, der also auch in Saarbrücken mehr als die 2,5 t/a erzeugt, ist damit mitverantwortlich für die Klimaerwärmung. Zur Vorstellung hier einige Daten für die CO2-Erzeugung:

  • Transatlantikflug: 0,7 t/a (3,5 l/100 km, 8000km)
  • 1 Jahr Mittelklasse-Auto: 2,5 t/a (7 l/100 km, 15000 km)
  • 1 Jahr Wohnungsheizung 2,5 t/a (Altbau, 18 l Öl/qm, Jahr, 50 qm)
  • Stromverbrauch: 0,9 t/a (1000 kWh/Jahr, 0,9 kg CO2/kWh)

Das sind schon zusammen 6,6 t. Hinzu kommt noch der Konsum, die Ernährung usw.

Im Internet kann man seinen individuellen CO2-Ausstoß berechnen, z.B. unter der Adresse www.lfu.bayern.de/luft/fachinformation/co2-rechner/index.htm.

Jeder „Normalbürger“ ist also sehr an der negativen Entwicklung beteiligt. Aber es gibt einige, die fliegen nicht, die fahren kein Auto, die isolieren ihr Haus, investieren in Solarkollektoren, Photovoltaik usw. und gehen damit in die richtige Richtung. Folgen Sie doch diesen Vorbildern!

Es ist z.B. relativ einfach und noch nicht einmal teurer, zu Ökostrom-Anbietern zu wechseln. Wer Ökostrom bezieht verhindert, dass diese Menge als Kohle- oder gar Atomstrom produziert wird. Das wäre doch schon mal etwas.

Aktuelle Entwicklungen in Saarbrücken
Leider gibt es vor allem negative Entwicklungen der Umweltsituation in Saarbrücken:

Die Stadtwerke haben jetzt weitere Anteile am Kraftwerk verkauft. Erst an Electrbel und jetzt auch an RWE und VSE. Zwei Anbieter, die vor allem Kohle- und Atomstrom verkaufen. Dies wird nicht dazu führen, dass in Saarbrücken der Anteil der alternativen Energien steigt.

Die Saarbahn stagniert. Die Verlängerung von Riegelsberg nach Etzenhofen ist zwar fertig, wird aber aus finanziellen Gründen nicht betrieben. Hier zeigt sich der Konstruktionsfehler, den der Saarbrücker Stadtrat nicht erkannt hatte: Die Saarbrücker wollen öffentlichen Verkehr (ÖPNV) über ihre Stadtgrenzen hinaus organisieren ohne dafür autorisiert zu sein. Überregionaler Verkehr ist Sache des Landes. Und jetzt wollen sie den Verlust durch den ÖPNV, der schon immer da war, nicht mehr alleine tragen. Am stilliegenden Streckenteil zeigt es sich: Nicht nur, dass das investierte Geld brach liegt. Die Umwelt wird nicht wie geplant entlastet. Überhaupt ist deren Entlastung durch die Saarbahn in Anbetracht der investierten Gelder leider zu gering.

Wie jeder in Saarbrücken sehen kann: Es fehlt am politischen Willen dazu. Die Saarbahn zockelt von Ampel zu Ampel durch die Stadt anstatt dass Politik und Verwaltung durch Ampelvorrangschaltungen die Attraktivität der Saarbahn steigern. Dies könnte man übrigens auch für Busse machen. In anderen Städten ist das selbstverständlich. Das Auto hat leider immer noch Vorrang in der Stadt mit der höchsten Kfz-Dichte.

Jeder kann auch sehen wo Saarbrücken vor allem sein Geld (auf Pump) investiert: Die Großbaustellen Ludwigsbergkreisel und Ostspangen-Ei dienen vor allem dem Autoverkehr. Der umwelt- und menschenfreundliche Radverkehr bleibt auf der Strecke. Seit die jetzige Koalition im Stadrat das Sagen hat wurden die Mittel hierfür komplett gestrichen. Und so sind die Radwege und der Radverkehrsanteil weiter auf einem sehr niedrigen Niveau stehen geblieben.

20. September 2008

SZ-Leserbrief zu „Vattenfall testet CO2-freies Kraftwerk“

Filed under: Energie,Leserbrief — Dietrich Strohmaier @ 17:53

Originalversion eines am 20.9.2008 in der Saarbrücker Zeitung veröffentlichten Leserbriefes unseres BUND-Aktivisten Dietrich Strohmaier:

Zu Ihrem Artikel „Vattenfall testet CO2-freies Kraftwerk“ vom 9.9.2008 meine Meinung:

Möglicherweise wäre es eines Tages möglich, einen Teil des CO2 so zurückzuhalten wie es die Kraftwerkbetreiber verkünden. Doch wenn ich den technischen Aufwand sehe und den Mehrverbrauch an Energie frage ich mich: Und das soll billiger sein als alternative Energie aus Sonne, Wind und Biomasse?

Zukunftsfähig ist es sowieso nicht, weil die Kohle ausgehen wird. Das Tollhaus Energiesituation wird hier wieder deutlich: Anstatt, dass wir schon vor Jahrzehnten angefangen hätten, die alternativen Energien systematisch zu entwickeln, haben wir aus angeblichen Preisgründen darauf verzichtet und weiter auf fossile Energien gesetzt mit allen negativen Folgen.

Stattdessen steckten wir unser Geld in den Bergbau, in die Landwirtschaft, in den Konsum usw. und geben es zudem lieber den Saudis, Russen und anderen. Die Menschen scheinen jegliches Maß verloren zu haben. Sie träumen vom Biosprit, vom Wasserstoff und von den Erfindungen, die angeblich von den Großen in den Schubladen gehalten werden.

Das erinnert mich doch stark an den letzten Krieg als die Menschen bis zuletzt von den Wunderwaffen träumten, mit denen der Krieg doch noch gewonnen werden könnte. Am Ende steht dann doch irgendwann die Erkenntnis, dass man auch in der Energiefrage falsch taktiert hat.

Da passt es dann, wenn ein Bundeswirtschaftsminister kürzlich kleinlaut verkündete, er könne doch nichts an den Ölpreisen ändern. Eine Bankrotterklärung. Nach dem Krieg haben die Alliierten uns Deutschen die Waffen aus der Hand genommen. Ich sehe niemanden in der näheren Zukunft, der uns Menschen auf der ganzen Welt die Waffen gegen unsere Umwelt wegnehmen könnte.

Anmerkung des Leserbrief-Verfassers: Mir fällt auf, dass die Saarbrücker Zeitung die Hinweise auf Verbindungen zu den Vorgängen während der Nazizeit – in obigem Originaltext per Streichung hervorgehoben – stets aus meinen Briefen streicht. Wieso weiß ich nicht.

Dietrich Strohmaier

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